Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre…

Bahn 2

Wunderschön präsentiert sich unser Golfplatz derzeit, im Frühlingsmonat April, seinen Mitgliedern.

Die Grüns sind schon jetzt in einem hervorragenden Zustand, die Fairways bereits perfekt auf Kontur gemäht, das erste Turnier des Jahres, das beliebte „Angolfen & Willkommensturnier“ findet voraussichtlich bei bestem Wetter, aber  auf jeden Fall auf einem gut gepflegten Platz statt.  Ein großes Lob und Dankeschön hierfür an unser fleißiges Greenkeeping-Team, das dies für uns Mitglieder möglich gemacht hat.

Ja, aber, da war noch was! Leider.


Wir alle könnten noch viel mehr Spaß auf unserem schönen Golfplatz haben, WENN es nicht  einige wenige Zeitgenossen gäbe, die immer noch glauben, eine Pitchmarke auf dem Grün wird über Nacht von den Regenwürmer beseitigt oder für die tiefen Fußstapfen im Bunker ist unser Reinigungsservice mit einem Spezialbesen zuständig.

Golf ist ein Sport, welcher Fairplay, Etikette und gegenseitige Rücksichtnahme zu seinen Grundgedanken zählt. Dies bedeutet also auch, dass der Bunker immer in dem Zustand zu verlassen ist, in dem ihn der Spieler ursprünglich vorgefunden hat, so dass sich für nachfolgende Spieler keine Verschlechterungen der Lage ergeben.
Übrigens: wird eine Pitchmarke nicht innerhalb der ersten 5 Minuten ausgebessert, benötigt diese schon 24 Stunden um sich wieder zu erholen. Bereits 15 Tage vergehen, bis sich eine Pitchmarke erholt hat, die nach nur 10 Minuten noch nicht ausgebessert wurde.

In diesem Sinne viel Spaß und einen guten Score auf unserem Platz und wer 18 Bahnen zu Fuß bewältigen kann, dem macht es sicher auch nichts aus, mal den Bunker zu rechen oder sich beim Pitchmarken ausbessern ein wenig zu bücken ;-).

Aus dem Tagebuch eines Marshalls – Folge 7

Was für ein Tag zum Golfspielen! Die Sonne steht wie gemalt am sommerlichen Himmel, Schäfchenwolken sorgen für kurzfristigen Schatten auf dem Fairway, ein laues Lüftchen bringt das hellgrüne Laub der Zweige in sanfte, schwingende Bewegungen. Hört es sich nicht an, als ob sich die Bäume flüsternd unterhalten? Ich lausche dem Gesang der Vögel und beobachte den kreisenden Flug der Bussarde, sicher haben sie ein oder zwei Junge zu versorgen und halten Ausschau nach Beute. Das Paradies kann nicht schöner sein, auch für einen Marshall auf dem Golfplatz nicht, der, wie ich gerade, seine Runden dreht und versucht, den Spielern auf dem Platz beste Voraussetzungen für ein schönes Spiel zu schaffen.

Doch heute ist alles irgendwie anders, ungewohnt. Es ist fast so, als ob die Spieler auf dem Platz von dieser Stimmung erfasst werden und sich dieser zauberhaften Atmosphäre des Frühsommers nicht entziehen können. Bereits an der Abschlagtafel sind die Spieler locker und gelöst, sie plaudern miteinander, schließen sich wie selbstverständlich zu Matches zusammen, warten die obligatorischen zehn Minuten, bis sie dem vor ihnen gestarteten Flight zügig hinterher spielen. Eine herrlich entspannte, lockere Situation am Start. Alle haben ein Lächeln auf den Lippen. Auch auf der Runde wirkt alles irgendwie fremd. Die Abstände zwischen den Spielergruppen sind angemessen. Eine Lücke, die durch Ballsuchen zwischen zwei Flights entstanden war, wurde durch zügiges Spiel rasch wieder geschlossen, der Flight dahinter hatte volles Verständnis und genoss für eine kurze Zeit die atemberaubende Aussicht Richtung Wörthsee. Doch halt, was seh’ ich da? Geht doch ein Spieler mit einem kleinen Gerät, das Pitchgabel genannt wird, auf dem Grün zu einer Stelle, wo sein Ball auf dem Kurzgemähten gelandet war, beugte sich herunter und beseitigt  die Pitchmarke. Welch‘ eine Überraschung, der Spieler tut dies ohne Aufforderung und freiwillig. Und er bückt sich sogar noch einmal und beseitigt eine zweite, die gar nicht von ihm stammte. Ich steige von meinem Bock und lobe den Spieler überschwänglich. Doch er winkt nur ab und sagt, das ist doch selbstverständlich und gehört zum Spirit des Spiels.

Und dann dämmert es mir. Jetzt weiß ich, was so anders ist als an den vielen Tagen zuvor. Es ist, als ob die Golfer auf einmal nicht nur die Regeln, sondern auch den Geist des Spiels, den Spirit eben, verinnerlicht haben und sich diesem wie selbstverständlich unterordnen. Und dabei merken sie auf einmal auch, wie schön das Golfspiel sein kann, wenn sich alle an die wenigen, aber sinnvollen Regeln halten.

Plötzlich wackelt es wie ein Erdbeben und ein Grollen dringt an mein Ohr: „Sigi! Aufstehen! Es ist Zeit, du musst auf den Golfplatz, du hast Dienst.“ Langsam mache ich die Augen auf, mag mich gar nicht von dem schönen Traum trennen. Schlaftrunken wuchte ich mich aus meinem Bett und gehe ans Fenster, heftiger Wind und strömender Regen, das Kontrastprogramm zu meinem Traum. Ich schleiche zurück ins Bett, kuschel mich in die Federn und versuche, den Traumfaden wieder aufzunehmen. Möge er niemals enden!

Dr. Schulte-Hostede Mai 2016