Aus dem Tagebuch eines Marshalls XII

Also mal ganz ehrlich, ihr seid doch auch der Meinung, der Job eines Marshalls auf einem so wunderbaren Golfplatz, wie es der unsere ist, kann nur noch mit Urlaub auf dem Lande verglichen werden. Ein Traumjob, nur bei schönem Wetter, in der freien Natur und umgeben von schönen, wohlerzogenen Menschen, die einem der faszinierendsten Freizeitvergnügen, dem Golfsport, nachgehen. Und dafür bekommen die Wächter über den Spielbetrieb auf dem Platz auch noch Geld, Wahnsinn! Weiterlesen

Aus dem Tagebuch eines Marshalls XI

Was für ein Tag zum Golfspielen! Die Sonne steht wie gemalt am sommerlichen Himmel, Schäfchenwolken sorgen für kurzfristigen Schatten auf dem Fairway, ein laues Lüftchen bringt das hellgrüne Laub der Zweige in sanfte, schwingende Bewegungen. Hört es sich nicht an, als ob sich die Bäume flüsternd unterhalten? Ich lausche dem Gesang der Vögel und beobachte den kreisenden Flug der Bussarde, sicher haben sie ein oder zwei Junge zu versorgen und halten Ausschau nach Beute. Das Paradies kann nicht schöner sein, auch für einen Marshall auf dem Golfplatz nicht, der, wie ich gerade, seine Runden dreht und versucht, den Spielern auf dem Platz beste Voraussetzungen für ein schönes Spiel zu schaffen.

Doch heute ist alles irgendwie anders, ungewohnt. Es ist fast so, als ob die Spieler auf dem Platz von dieser Stimmung erfasst werden und sich dieser zauberhaften Atmosphäre des Frühsommers nicht entziehen können. Bereits an der Abschlagtafel sind die Spieler locker und gelöst, sie plaudern miteinander, schließen sich wie selbstverständlich zu Matches zusammen, warten die obligatorischen zehn Minuten, bis sie dem vor ihnen gestarteten Flight zügig hinterher spielen. Eine herrlich entspannte, lockere Situation am Start. Alle haben ein Lächeln auf den Lippen. Auch auf der Runde wirkt alles irgendwie fremd. Die Abstände zwischen den Spielergruppen sind angemessen. Eine Lücke, die durch Ballsuchen zwischen zwei Flights entstanden war, wurde durch zügiges Spiel rasch wieder geschlossen, der Flight dahinter hatte volles Verständnis und genoss für eine kurze Zeit die atemberaubende Aussicht Richtung Wörthsee. Doch halt, was seh’ ich da? Geht doch ein Spieler mit einem kleinen Gerät, das Pitchgabel genannt wird, auf dem Grün zu einer Stelle, wo sein Ball auf dem Kurzgemähten gelandet war, beugte sich herunter und beseitigt  die Pitchmarke. Welch‘ eine Überraschung, der Spieler tut dies ohne Aufforderung und freiwillig. Und er bückt sich sogar noch einmal und beseitigt eine zweite, die gar nicht von ihm stammte. Ich steige von meinem Bock und lobe den Spieler überschwänglich. Doch er winkt nur ab und sagt, das ist doch selbstverständlich und gehört zum Spirit des Spiels.

Und dann dämmert es mir. Jetzt weiß ich, was so anders ist als an den vielen Tagen zuvor. Es ist, als ob die Golfer auf einmal nicht nur die Regeln, sondern auch den Geist des Spiels, den Spirit eben, verinnerlicht haben und sich diesem wie selbstverständlich unterordnen. Und dabei merken sie auf einmal auch, wie schön das Golfspiel sein kann, wenn sich alle an die wenigen, aber sinnvollen Regeln halten.

Plötzlich wackelt es wie ein Erdbeben und ein Grollen dringt an mein Ohr: „Sigi! Aufstehen! Es ist Zeit, du musst auf den Golfplatz, du hast Dienst.“ Langsam mache ich die Augen auf, mag mich gar nicht von dem schönen Traum trennen. Schlaftrunken wuchte ich mich aus meinem Bett und gehe ans Fenster, heftiger Wind und strömender Regen, das Kontrastprogramm zu meinem Traum. Ich schleiche zurück ins Bett, kuschel mich in die Federn und versuche, den Traumfaden wieder aufzunehmen. Möge er niemals enden!

Dr. Schulte-Hostede Mai 2016

Aus dem Tagebuch eines Marshalls X

Und es gibt IHN doch!

Herrliches Frühlingswetter, die Vögel zwitschern, die Matchpartner sind alle bester Laune. Da kann ja nichts schiefgehen, es wird sicher ein Golftag, der in Erinnerung bleiben wird. Der erste Abschlag an Tee 1 zum Auftakt der Saison, da wollen wir doch mal zeigen, wie gut wir über den Winter gekommen sind. Locker aufgeteet, lässig den Ball angesprochen, konzentriert ausgeholt und mit dem Gedanken „flieg du kleiner weißer Freund“ mit vollem Einsatz gegen den Ball. Fühlte sich gut an, der erste Schlag. Bis der Partner ganz unverhohlen das Ergebnis des Bemühens kommentiert: „Oh, heute einen Alpenrundflug gebucht?“ Na, was soll‘s, die erste Runde im Jahr, da hat man noch Steigerungspotential und es kommen ja noch 17 weitere Abschläge.
Die zweite Bahn, war der Weiher immer schon so groß? Da war doch im letzten Jahr viel weniger Wasser drin, wo kommt das her? Und plötzlich hat dann jede Bahn eine neue Überraschung parat. An der Sechs fehlt dank des Sturms die schöne Birke, die doch eine gute Orientierung für den Annäherungsschlag war, die Laune wird immer schlechter. Zu allem Überdruss spielen deine Partner wie junge Götter, wer weiß, wo die im Winter überall waren, um zu üben. Du willst es gar nicht wissen. Dass du wegen deiner Hausrenovierung seit Oktober nicht mehr Golf gespielt hast, ist ein schwacher Trost, Golf verlernt man doch genauso wenig wie Radfahren oder Schwimmen.

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Aus dem Tagebuch eines Marshalls IX

Ist das nicht der….

Kürzlich war wieder das jährliche Golfturnier, das vom Partner des GCW, dem Deutschen Ski Verband organisiert wird. Das DSV-Golf Open Turnier ist jedes Jahr ein Highlight in der Turniersaison. Jedes Clubmitglied ist hoch erfreut, wenn es bei der Auslosung eine Startberechtigung ergattert. Das perfekt organisierte Turnier, die hervorragende Versorgung der Spieler, die durch die Ausstattung erzeugte Atmosphäre eines Profi-Turniers und nicht zuletzt die großzügigen Tee-Geschenke und Preise geben dem Turnier einen unvergleichlichen touch.

Doch halt, wird damit wirklich der Kern dieses Turniers definiert? Nein, ganz gewiss nicht! Das wesentliche soll zum Schluss erwähnt werden. Das sind die vielen Menschen, die vom DSV eingeladen wurden und zu einem guten Teil vom DSV selbst kommen. Es sind die zahlreichen aktiven und passiven Sportler und Funktionsträger, von denen eine erhebliche Anzahl uns allen aus dem Fernsehen so gut bekannt sind, als wären sie Nachbarn. Diese vielen berühmten Menschen hautnah zu erleben war für mich als Marshal wieder eine besondere Freude. Sind sie doch durch die Bank freundliche, offene und auch recht entspannte Typen, die es einem leicht machen, Kontakt zu ihnen aufzunehmen. Auf mein munteres Grüß Gott Herr Fischer musste Herr Ulrich nur schmunzeln und meinen Irrtum sehr charmant korrigieren. Jochen Behle war leider nicht da, den erkenne ich inzwischen (hoffe ich), dafür konnte Magister Schuster mit meiner Namensverwechslung mit einem Herrn Schneider aber auch ganz gut umgehen.

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Aus dem Tagebuch eines Marshalls VIII

…aus aktuellem Anlass (Gewittergefahren) wird dieser Artikel noch einmal vorgezogen…

Der mit dem Golfer tanzt

Was war das für ein Winter! Aber noch viel entscheidender ist doch für uns Golfspieler die  Frage: Was wird das für ein Sommer nach diesem Frühjahr? Oder war das schon der Sommer und wir kriegen wieder einen Sommer, der ein Winter sein könnte? Und was geschieht eigentlich mit dem Herbst? Wird der jetzt ganz abgeschafft? Der geneigte Leser merkt sofort, was gemeint ist. Golf ist ein Freiluftsport, neudeutsch outdoor sport, und damit ganz entscheidend vom Wetter abhängig. Und der da mit dem Golfer tanzt ist der ….Wettergott.
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Aus dem Tagebuch eines Marshalls VII

Streng geheimer Test

Er ist gelungen! Der erste unangekündigte und nur ganz wenigen Eingeweihten bekannte Testbetrieb auf der Anlage des GC Wörthsee wurde gestern erfolgreich abgeschlossen. Bei diesem Test sollte der Einsatz eines kleinen Werkzeuges auf seine Eignung überprüft werden. Unter Kennern wird dieses Gerät Pichgabel genannt und kommt in den verschiedensten Materialien und Formen vor. Häufig eher schlicht, gelegentlich jedoch kunstvoll verziert und aus hochwertigen Materialien gefertigt. Der durchschnittliche Golfer trägt dieses Ausrüstungsteil gerne tief in einer der vielen Taschen seines Tour Bags spazieren und setzt es seit seiner Platzreife eigentlich nicht mehr ein. Um zu Überprüfen, ob der Einsatz des Utensils ohne zusätzliche Behinderung des Spielbetriebs möglich ist, wurde in den letzen Turnieren des Clubs eine Sonderregel eingeführt, die den Spielern unmittelbar vor Ihrem Start bekannt gegeben wurde. Mit dieser Regel wurden den Spielern erlaubt, die Pichgabel im Turnier auf den Grüns bestimmungsgemäß zu verwenden.

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Aus dem Tagebuch eines Marshalls VI

Vor gut einem Jahr habe ich das Angebot angenommen, im GC Wörthsee als Marshall einen Beitrag dazu zu leisten, dass unser aller liebstes Hobby auf dem Platz nur Freude bereitet. An dem Tag der Entscheidung traf ich Dany Bradley das erste Mal und ich war beeindruckt von ihr und ihrem ganzen Team im Sekretariat. Nach dem Meeting war ich sicher, hier wird es mir gefallen. Und heute kann ich feststellen, ich habe mich nicht getäuscht, es war sogar noch schöner, als ich es mir gedacht hatte. Der Spirit im Team, die Grundeinstellung zum Club und seinen Mitgliedern, aber auch zu den zahlreichen Gästen, alles war stimmig und kommt meinen Vorstellungen sehr entgegen.
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Aus dem Tagebuch eines Marshalls V

Ganz weit weg

Spitzengolfer sind sehr akribisch arbeitende Perfektionisten. Vor Beginn eines Turniers „vermessen “ sie den Platz nach allen Regeln der Kunst. Kein Hindernis wird ignoriert, jede Bodenwelle, jeder Bunker wird nach Lage und Ausrichtung  verzeichnet, Entfernungen von markanten Punkten zum Grün abgeschritten und notiert. Wie? Abgeschritten?
Wie geht das denn? Das ist doch Mittelalter! Fuß und Elle sind doch nur noch anatomische Begriffe! Und wo bleibt bitteschön die Genauigkeit? Das geht doch gar nicht! Wie das heute geht, kann ein Marshal aus seiner Praxis als stiller Beobachter des Spiels ganz genau sagen. Also Pros, aufgepasst. Heute benutzt man zugelassene optische Hilfsmittel. Diese wunderbaren, kleinen Zauberdinger, die mit Hilfe eines Laserstrahls und ausgeklügelter Elektronik die Entfernungen  von ganz nah bis ganz weit weg auf den Meter genau messen. Hat übrigens  nichts mit diesen schrecklichen Wunderwaffen zu tun, die man schon in James Bond Filmen verwendet hat, um dicke Stahlplatten und darauf liegende Geheimagenten fein säuberlich zu durchtrennen. Eher etwas mit diesen niedlichen Pointern, mit denen man in Vorträgen so gerne auf gebeamten Power Point Folien herumfuhrwerkt. Diese wohlfeilen Geräte ermöglichen es also dem Spieler, alle möglichen Ziele und Gefahrenpunkte extrem genau anzupeilen und zu vermessen. Dauert zwar manchmal ein bisschen, ist dafür aber sehr präzise. Erlaubt also die sichere Wahl zwischen z. B. Sand -oder Pitchingwedge, um die vorliegende Situation zu meistern, wenn man eine klitzekleine Kleinigkeit sicher weiß, nämlich wie weit man mit welchem Schläger spielt. Dieses Hilfsmittel hat inzwischen natürlich auch bei den ambitionierten Amateuren Einzug gehalten.

Neulich sah ich ein hoffnungsvolles, 13 Jahre altes Golftalent mit Single Handicap am Start eines Turniers auf unserem wunderschönen Golfplatz. Auf Grund seines Handicaps war der junge Mann schon sehr früh am Start. Frohgemut kramte der Gastspieler seinen Laserentfernungsmesser aus, stellte sich an den Abschlag und begann zu messen. Plötzlich wurde er unsicher, die Gelassenheit wich aus seinem jugendlichen Gesicht, die Augen weiteten sich. Nach einigen Minuten senkte sich erst die Hand mit dem Messgerät, dann sein Kopf . „So ein Mist, ausgerechnet heute muss das Ding kaputt gehen“ murmelnd schlich er vom Abschlag. Da konnte ihn der Marshal aber trösten. „Hör mal, dein Gerät ist nicht kaputt, es kann nur nicht funktionieren. Der Frühnebel zerstreut den Laserstahl und es wird nicht genug in Richtung Empfänger zurückgestrahlt. In einer halben Stunde ist der Nebel weg, dann geht das Ding auch wieder. Der Bunker da vorn ist übrigens 200m entfernt – laut Birdiebook.“  Und: „Wie weit schlägst du denn?“ (Der geneigte Leser stellt hier natürlich fest, der Marshal hat noch immer nichts dazu gelernt.)

Aus dem Tagebuch eines Marshalls IV

Wer kennt sie nicht, die freundlichen älteren Herren, die Hütehunden gleich den herrlich gepflegten Golfplatz des GC Wörthsee in ihrem auffälligen E-Cart Cabriolet  umkreisen. Ich meine, wie der geneigte Leser bestimmt schon erraten hat, die fröhliche Rentnerriege der Marshals. Andernorts werden sie auch als Sheriffs oder Ranger bezeichnet.
Aber halt, da war doch was? Genau, zumindest die männlichen Golfspieler werden sich bei diesen Begriffen sofort an ihre Jugend erinnern, in der der wilde Westen eine wichtige Rolle spielte. Jeder Bub wollte beim Cowboy und Indianer-Spiel wenn nicht der Marshal dann doch wenigstens der Sheriff sein. Wyatt Earp war als Marshal der Inbegriff von Rechtschaffenheit  und Unbesiegbarkeit, obwohl die Realität wohl anders aussah. Ihn zum Gegner zu haben, war für jeden, der die Rolle des Banditen übernehmen musste, gleichbedeutend mit der Feststellung: Du hast schon verloren, bevor das Spiel überhaupt begonnen hat. Aber was, bitte schön, hat das mit dem Golf spielen zu tun?  Warum um alles in der Welt werden hier Begriffe aus dem wilden Westen verwendet, bei einem Spiel, das friedlicher nicht sein kann? Natürlich kann das hohe (in den wunderbaren Western der 50er und 60er Jahre theatralisch nahezu ins Heilige überhöhte) Ansehen dieser Figuren ein Grund für die Wahl des Begriffes sein. Ein anderer scheint mir aber einleuchtender: die deutsche Übersetzung der Begriffe wären Polizist oder Ordnungshüter.
Und ehrlich gesagt, wie blöd würde das denn klingen? Auch wenn unsere Aufgabe kurzgefasst darin besteht, den ordnungsgemäßen Ablauf des Spielbetriebes sicherzustellen, aber bitte mit Freundlichkeit und Überzeugungskraft und nicht mit dem tief geschnallten Revolver!

Aus dem Tagebuch eines Marshalls III

Die Bananenrepublik
Stimmt es wirklich, dass der Begriff Bananenrepublik ursprünglich Honduras umschrieb, als das Land mit den größten Anbauflächen für Bananen?
Ein Blick in die gängigen Lexika konnte dies nicht sicher bestätigen. Auszuschließen ist es aber auch nicht. Aber für mich als Marshall auf einem wunderschönen, perfekt gepflegten und harmonisch in die Landschaft eingepassten Golfplatz ist es eindeutig: Auf jeden Fall ist Deutschland heute eine der größten Bananenrepubliken weltweit.
Was mich da so sicher macht? Neulich hatte ich Dienst während eines erstklassigen, von einem potenten Sponsor unterstützen Turniers. Ich freute mich riesig über diese Aufgabe, waren die Teilnehmer doch alle bestens gelaunt, das Wetter passte, die Veranstaltung war hoch professionell von unserem Clubteam organisiert, das Tee-Geschenk füllte exakt die kürzlich entstandene Lücke im Ausrüstungsarsenal. Eine Zwischenverpflegung war angekündigt und von unserer Gastronomie wie immer perfekt und schmackhaft zubereitet. Dazu zählte, wie inzwischen weltweit auf allen Golfplätzen nach deutschem Muster üblich, natürlich auch ein Power Bar, der reich an diversen Vitaminen (Vitamin A und C), Mineralstoffen (insbes. Phosphor, Eisen, Kalium, Magnesium, Mangan, Kupfer), Zucker und Ballaststoffen ist. Weiterlesen

Aus dem Tagebuch eines Marshalls II

Wie sind sie heute?

Dass Golf ein naturverbundener Sport ist, wird nur von denen angezweifelt, die sich keine Mühe geben, ihre gern gepflegten Vorurteile gegen diesen Sport zu überdenken. Auch Umweltzertifikate in Gold, Silber oder Bronze, geschützte Biotope auf dem Platz und der eine oder andere Vogel, der am Abend die Stimmung am 19ten Loch mit seinem silberhellen Gesang verzaubert, können an diesem Vorurteil nichts ändern. Aber jetzt, genau in dieser Zeit, heute, morgen und in den nächsten Tagen hätten wir Golfer die einmalige Gelegenheit, dem Zweifler zu beweisen, wie unrecht er hat! Uns müsste es nur gelingen, diesen Ignoranten dazu zu bringen, uns auf eine Runde am Morgen oder am Spätnachmittag zu begleiten. Warum in dieser Zeit?

Na, weil sie dann besonders gerne unterwegs sind und den Kontakt zum Menschen suchen. Und dann können wir zeigen, wie wir mit der Natur umgehen und selbstlos unsere freien Körperstellen den Mücken zum Füttern anbieten. Die Diabetiker unter uns dienen sogar mit einem Energie-Drink, der Flügel verleiht. Überall sonst hört man davon, dass sich die Menschen diesem Dienst an der Natur entziehen und nicht mehr ins Freie gehen. Oder sie fordern sogar, diese possierlichen Tierchen zu vergiften! Weiterlesen

Aus dem Tagebuch eines Marshalls I

Kann ich schon abschlagen?

„Wie weit schlagen Sie denn ungefähr?“

Ich wusste sofort, dass dies die völlig falsche Frage war und ich diese niemals hätte stellen dürfen. Dabei wollte ich doch nur wissen, ob ich den Abschlag für den neuen Flight freigeben kann. Aber wie bei einem einmal losgelassenen Schlag konnte ich die Frage nicht mehr stoppen, sie war raus wie ein getoppter Ball oder wie eine Kugel im Lauf einer abgefeuerten Pistole. Und mit ähnlich verheerender Wirkung.
Der gut warm gespielte, mental und körperlich absolut fitte Single Handicaper zuckte kurz ehe er antwortete. „Mit dem 3-er Eisen etwa 210m carry, ich habe heute vor, nur Eisen zu spielen.“ Das war die erwartete Antwort.

Alles kein Problem. Doch der kurze Weg zum Abschlag war zu lang! Drei Flightpartner, der nachfolgende Vierer und der Marshall mit seiner blöden Frage nagten am gespielten Selbstbewusstsein stärker als angenommen. Der kaum hörbare Satz „wahrscheinlich treffe ich ihn aber gar nicht“ während des Aufteens beschrieb für Jedermann mitfühlbar den wirklichen psychischen Zustand des gequälten Golfers. Nach einem eher zaghaften, von Zweifeln begleiteten Probeschwung folgte der erste Schlag. Ein kaum zu überhörender vielfacher Seufzer der Zuschauer wurde von drei verräterischen Sätzen begleitet: „ Wenigstens ist er nicht im Wasser.“ Und „Den finden wir“ und zu guter Letzt: „ich schlage einen Provisorischen nach“. Selbst jemand, der dieser Szene den Rücken zukehrte, hätte gewusst: der Ball ist am ersten Abschlag in einer wunderschönen Rechtskurve, Golfer nennen sie Slice, knapp über das leicht rechts liegende Wasser gesegelt, um dann im Ufergestrüpp vielleicht für immer zu verschwinden.

Nun fragen Sie mich bitte nicht, wer dieser Unglücksrabe war, denn ehrlich – sind wir das gelegentlich nicht alle einmal?